Was musst Du beachten, wenn Du in Dein erstes oder nächstes ICO investieren willst? Wir haben mit Philipp Sandner über seine Meinung zur Blockchain-Technologie gesprochen. Erfahre jetzt, nach welchen Kriterien der Wissenschaftler ein ICO bewertet.

Über Philipp Sandner

Prof. Dr. Philipp Sandner leitet das Frankfurt School Blockchain Center an der Frankfurt School of Finance & Management: Er forscht zu Blockchain, Digitalisierung und Innovationen. Außerdem berät sein Team Unternehmen zu diesen Themen.

Warum sind ICOs für Anleger interessant?

Ein ICO ist eine Methode zur Gründungsfinanzierung, zum Beispiel für Start-ups – und eine Chance, sowohl für Anleger als auch für Start-ups. Mithilfe eines ICO können Start-ups nämlich unabhängig sein von Business Angels und Venture Capital Investoren. Stattdessen kann heute an und für sich jeder, der an die Idee eines Start-ups glaubt, mittels eines ICOs in das Start-up investieren.

Das klingt ebenso einfach wie gut – kann das sein? Was müssen die Anleger zum Beispiel beachten, wenn sie in ein ICO investieren wollen?

Jedes ICO geht immer mit Risiken einher. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein ICO scheitert, ist sehr groß. Schließlich wird die Mehrheit der Start-ups scheitern: neun von zehn werden nicht erfolgreich sein. Das ist aber generell so und liegt nicht an der Blockchain-Technologie. Hat ein Start-up eine nachhaltige Finanzierung, beispielsweise durch ein ICO, wird das Unternehmen voraussichtlich nur noch in vier von zehn Fällen scheitern. Einige wenige Start-ups wachsen dann heran zu veritablen größeren Unternehmen.

Wie viel Geld sollten Anleger in ein ICO investieren?

Zweifelsfrei sollten Anleger kleinere Geldbeträge in mehrere ICOs investieren. Ansonsten werden sie keinen Erfolg haben. Die Höhe der Geldbeträge, die Anleger in ein ICO investieren sollten, unterscheidet sich jedoch von ICO zu ICO. Auch 50 bis 100 Euro können Anfangs schon zweckmäßig sein; auch Beträge über 500 Euro oder mehr können natürlich investiert werden – wie gesagt, Investoren sollten, wenn sie höhere Geldbeträge investieren wollen, ihre Investition auf mehrere ICOs verteilen.

ICOs kritisch prüfen

Worin investieren Anleger überhaupt?

Die Anleger investieren in eine Idee. Nach ihrer Investition werden sie in der Regel Tokens erhalten. Wenn das Projekt erfolgreich ist, dann würde der Wert der Tokens idealerweise steigen. Allerdings müssen Anleger bei jedem ICO jederzeit mit zwei Risiken rechnen: Das Start-up hat zu wenig Geld verdient oder hat kein nachhaltiges Geschäftsmodell. In beiden Fällen werden Anleger mit sehr großer Wahrscheinlichkeit ihre Investition verlieren.

Von heute auf morgen alles verlieren: Das kann offensichtlich passieren. Worauf müssen Anleger deshalb vor ihrer Investition achten?

Hinter vielen ICOs stehen Start-ups. Websites und Social-Media-Kanäle von ICOs sind häufig noch unprofessionell – oftmals fehlt Wissen, wie Start-ups professionelles Marketing für sich und ihr ICO machen müssen. Davon sollten sich Anleger nicht täuschen lassen. Das gilt gleichermaßen für das Gegenteil: Eine sehr schöne, seriöse „Dokumentenlage“ – also etwa Konzept und Website – ist keine Garantie für ein erfolgreiches ICO.

Ich denke außerdem, dass Anleger vor ihrer Investition das Start-up hinter einem ICO kennenlernen müssen: Ein Anruf, oder eine E-Mail sind manchmal schon ausreichend um einen ersten Eindruck von der Professionalität zu bekommen. Ansonsten ist ein Treffen zwischen Anleger und Start-up ratsam, zum Beispiel auf einem Meet-up oder einer Konferenz. Letztlich investiert er nämlich nicht nur in eine Idee, sondern auch in die Menschen, die sie entwickeln und umsetzen wollen.

Investitionen können verschwinden

Wo und wann sollten Anleger investieren?

Grundsätzlich können Anleger überall und jederzeit in ein ICO investieren – Voraussetzung ist in erster Linie ein Zugang zum Internet und die erforderliche Identifikation. Natürlich gilt ebenfalls, dass sich die Anleger vorab intensiv über das ICO informieren müssen – jeder kann das problemlos tun, Beispiele sind hierfür natürlich das Konzept, die Website, aber auch LinkedIn für die Profile der Teammitglieder oder Telegram.

Was müssen Anleger mit Blick darauf und auf Steuern beachten?

Die wichtigste Regel ist, dass jeder selbst für seine Investitionen haftet. Das heißt auch, dass das Geld weg sein kann, wenn das Projekt hinter einem ICO scheitert. Deutsche Privatanleger müssen ihre Gewinne durch ICOs in ihrer Einkommensteuererklärung angeben. Leider ist der Nachweis gegenüber dem Finanzamt aber sehr aufwändig.

Die Investition in ein ICO stellen sich viele Menschen, sofern sie überhaupt schon davon gehört haben, sehr schwierig vor. Wer investiert tatsächlich in ICOs?

Jeder kann in ein ICO investierten. Die Zielgruppe sind allerdings mehrheitlich Männer im Alter von 25 bis 45 Jahren. Ich habe beobachtet, dass gerade junge Menschen Crypto Assets gegenüber offen sind. Dabei ist Blockchain eine Schlüsseltechnologie für das nächste Jahrzehnt und für jeden lohnt es sich, sich mit dieser Thematik zu beschäftigen und herauszufinden, welche Vorteile – und Nachteile – die neue Technik hat. Der Bereich wird weiter wachsen.

Hast Du Lust, jetzt in ein ICO zu investieren? Dann wird Dir unsere Checkliste für ICOs sicherlich helfen, das richtige ICO für Dich zu finden. Oder hast Du zunächst eine Frage an Philipp Sander: Dann schreibe uns einfach eine E-Mail mit Deiner Frage an redaktion@digbees.de – wir werden sie im nächsten Interview mit ihm stellen.